• 5th Juli 2011 - By Philipp Pfaller

    Formular für die AbzockeSoeben per E-Mail hereingeflattert und schon am Pranger: Der Titel “Company Data Control” suggeriert eine Gratis-Kontrolle der eigenen Unternehmensdaten in einem offiziellen EU-Verzeichnis. Aber auch hier handelt es sich um Bauernfängerei eines Unternehmens mit Postfach in Madrid/Spanien. Bei genauerer Durchsicht entpuppt sich die “Datenkontrolle” als teurer Auftrag. Gar nicht günstige EUR 995 sollen pro Jahr für den Eintrag auf der miesen Website des EU Business Register gezahlt werden. Und das mit 3 Jahren Bindefrist bei automatischer Verlängerung. Macht in Summe EUR 2.985 – ein echtes Schnäppchen. Selbstverständlich hat dieser Eintrag keinerlei Nutzen für den “Kunden” (besser: Das Opfer) und dient bestimmt nicht der erhofften Geschäftsanbahnung.

    Dabei ist die Abzocke sogar schlecht umgesetzt. Üblicherweise finden sich auf dem Formular ja sogar schon die eigenen Unternehmensdaten, soweit sie aus dem Firmenbuch ersichtlich sind. Das verleitet noch mehr zur “Ergänzung”, die dann natürlich immer etwas kostet.

    Aber es gibt doch wirklich ein European Business Register

    Die Ähnlichkeit zwischen dem betrügerischen EU Business Register mit einer Postfach-Adresse in Madrid und dem tatsächlich existierenden European Business Register (siehe auch Wikipedia) ist kein Zufall. Die Verwechslungsgefahr ist natürlich erwünscht um das Schreiben authentisch wirken zu lassen. Und das Formular ist sogar mit der echten Abkürzung EBR benannt.

    Was mache ich mit dem PDF?

    Ganz einfach: Ignorieren und löschen.

    Oje, ich habe es schon abgeschickt!

    Bitte holen Sie in jedem Fall juristischen Rat ein. Meine Erfahrung ist, dass solche Unternehmen immer mehrmals warnen aber fast nie klagen. Daher eher nicht einzahlen. Ausnahmen gibt es aber. Bei einem Gerichtsverfahren ist der Ausgang ungewiss, da Sie als UnternehmerIn verpflichtet sind, Dokumente genau zu lesen, bevor Sie unterschreiben. Ob die Aufmachung des EBR-Schreibens irreführend genug ist, ist fraglich. Vielleicht ja, vielleicht nein. Aber wie gesagt lohnt sich das Prozessrisiko für Unternehmen wie das EU-Business Register normalerweise auch nicht.

  • 5 Kommentare to “EBR – EU Business Register Abzock-E-Mail”

    • Heidi Birner on 25. Januar 2012

      Hallo,

      ich habe das Formular auch ausgefüllt + nun mehrere Mahnungen am Tisch. Hat denn jemand schon Erfahrung mit Nichtbezahlen?
      Erbitte schnellstens kurze Rückmeldung

      Heidi Birner

    • H.F.Graf v. Beust on 12. März 2012

      Leider sind wir dieser Aktion auch zum Opfer gefallen. Man verlangt eine Zahlung nach Bulgarien und bedroht uns mit einer Kanzlei
      Waldberg & Hirsch Global Collections Ltd. Amsterdam

      Welchen Weg empfehlen Sie uns zu gehen? Da es sich um einen
      krimminellen Akt handelt wäre es gut zu wissen, wen wir über
      diese Sache informieren mit der Bitte ggf. auch die EU hier einzu-
      schalten. Hier sind eindeutig Menschen am Werk, die einer krimmi-
      nellen Handlung unterliegen.

      Können Sie uns hier einen Rat geben was zu tun ist da wir jetzt ständig belästigt werden.

      Vielen Dank und sehr freundliche Grüße, H.F.Graf v. Beust

    • Sehr geehrter Herr von Beust,

      ich habe bereits mehrfach Erfahrung mit derartigen Verzeichnissen gesammelt.

      Der Oberste Gerichtshof hat in mehreren Entscheidungen eine strenge Rechtsprechung zu den als Erlagscheinwerbung oder auch Adressbuchschwindel bezeichnenden täuschenden Vertragsangeboten begründet. Der entsprechende Rechtssatz dazu lautet:

      „Indem der Beklagte die festgestellterrmaßen “irrtümlichen Vertragsabschlüsse” durchzusetzen versucht, handelt er im Zusammenhang mit der geplanten Früchteziehung aus seiner planmäßig auf Täuschung gerichteten Vorgangsweise bei der Kundenwerbung sittenwidrig im Sinn des § 1 UWG.“

      Gerne unterstütze ich Sie in der Sache.

      Meine Kontaktdaten finden Sie auf http://www.raoe.at.

      Mit freundlichen Grüßen

      Dr. Johannes Öhlböck LL.M.
      Rechtsanwalt

    • Rechtsanwalt Dr. Öhlböck on 5. Juli 2013

      Die aktuelle rechtliche Beurteilung finden Sie auf

      http://www.raoe.at/news/single/archive/rechnung-eu-business-register-achtung/

      Kern ist § 28a UWG:

      “Es ist verboten, … für Eintragungen in Verzeichnisse, wie etwa Branchen-, Telefon- oder ähnliche Register, mit Zahlscheinen, Erlagscheinen, Rechnungen, Korrekturangeboten oder ähnlichem zu werben oder diese Eintragungen auf solche Art unmittelbar anzubieten, ohne entsprechend unmißverständlich und auch graphisch deutlich darauf hinzuweisen, daß es sich lediglich um ein Vertragsanbot handelt.”

    • Christoph Werner on 26. August 2013

      Inzwischen ist das Postfach von Madrid, Spanien nach Utrecht, Niederlande gewandert. Aufmachung und Aussehen des Formulars ist identisch (nur eben die Rücksendeadresse ist anders).

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