Betrug? „Firmenverzeichnis Wien“ – Branchenklick GmbH

Unternehmer aufgepasst: Zumindest im Raum Wien treibt wieder Mal Branchenklick GmbH (Sternbachplatz 2, 6020 Innsbruck) ihr Unwesen. Die österreichische Tochter der in München ansässigen Branchenklick GmbH verschickt „Angebote“ für ihr „Firmenverzeichnis Wien“.

Bauernfängerei mit „Eintragungsantrag“

Der Trick ist altbekannt: Ein Schreiben mit offizieller Anmutung bzw. mit ähnlicher Anmutung wie die Zusendungen renommierter Unternehmen fordert zur Überprüfung und Vervollständigung der eigenen Firmendaten auf. Die fehlenden Felder können sofort ergänzt und das Formular gefaxt werden. Der korrigierte/ergänzte Eintrag erscheint dann – im vorliegenden Fall – im „regionalen Firmenverzeichnis Branchenklick.at“. Weniger deutlich geht aus dem Schreiben hervor, dass mit der unterfertigten Rücksendung ein kostenpflichtiger Zweijahresvertrag mit der Branchenklick GmbH unterzeichnet wird. Selbstverständlich mit automatischer Verlängerung.

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EUR 2.136 exkl. USt. für eine unvorsichtige Unterschrift

Für schlanke EUR 1.068 exkl. USt. pro Jahr kommt man danach in den Genuss eines Eintrags auf der Branchenklick-Website. Die (von außen sichtbaren) Media-Daten der angebotenen Website muss man sich auf der Zunge zergehen lassen (Stand 4.10.2010):

Kriterium Rank
Google Pagerank: 0
Sistrix Sichtbarkeitsindex: 0,00
Alexa Rank: 3.090.110

Aus dem Bauch würde ich die Anzahl der von dort vermittelten Besucher optimistisch auf einen alle drei Jahre schätzen. Selbstverständlich bietet auch das Kleingedruckte noch viel Stoff zum Lachen: Haftungsausschluss der Branchenklick GmbH bei leichter Fahrlässigkeit, 3 Monate Kündigungsfrist, Erlaubnis zur Weiterveräußerung des Vertrages an Dritte …

Branchenklick Betrug?

Ob es sich bei diesem Vorgehen um Betrug handelt, ist nicht leicht zu beantworten. Zum einen richtet sich das Angebot ausschließlich an Unternehmer, der Konsumentenschutz greift also nicht. Zum anderen hängt viel von der konkreten Ausgestaltung des Angebots ab. Wie groß ist die (erwünschte) Verwechslungsgefahr mit anderen Unternehmen? Ist der Preis korrekt ausgezeichnet? Sind vielleicht auch nur bestimmte Klauseln unwirksam? Gerichte sind immer wieder mit diesen Fällen befasst. Allerdings muss auch mit Nachdruck gesagt werden: Im Privatleben und umso mehr als Unternehmer muss man Unterlagen genau lesen, bevor man sie unterschreibt. Wer das „Angebot“ genau liest, weiß, woran er ist. Da gab es in der Vergangenheit noch einige deutlich unklarere Schreiben als das der Branchenklick GmbH. Die Branchenklick-Sache funktioniert scheinbar schon länger, nachzulesen in den Suchergebnissen bei Google, soweit diese nicht weggeklagt wurden (siehe unten Nachtrag II).

Achtung bei eifrigen MitarbeiterInnen

Eine große Gefahr lauert bei vielen Unternehmen darin, dass ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin die Daten pflichtbewusst korrigiert und zurückschickt, ohne das Kleingedruckte gelesen zu haben. Also: Rasch eine Weisung schreiben, dass dies bei Fax- und Briefanfragen zu beachten ist.

Zu spät – schon unterzeichnet

Haben Sie oder Ihre Mitarbeiter bereits geantwortet, sollten Sie auf jeden Fall einen Rechtsbeistand konsultieren. Letztlich gilt es das Risiko einer Mahnklage gegen die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, das dies der Branchenklick GmbH zu mühsam/riskant ist. Vorsicht bei zu unterzeichnenden Unterlassungserklärungen! Üblicherweise gibt es eine Reihe von immer schärferen Mahnschreiben, danach passiert in ähnlich gelagerten Fällen oft nichts. Dies ist aber weder ein Rat noch gibt es Sicherheit. Informieren Sie sich bei der Wirtschaftskammer und/oder Ihrem Anwalt.

Sorry – Abgelehnt

Ich persönlich würde das Angebot jedenfalls nicht als seriös einstufen. Preis/Leistung sind offensichtlich nicht marktüblich und die Aufmachung ist irreführend. Daher muss ich das Angebot für mein Unternehmen leider ablehnen.

Nachtrag I: Klage vor OGH erfolgreich

Der Oberste Gerichtshof hat an einem ähnlichen Fall dieses weitverbreitete, unlautere Geschäftsmodell gestoppt. Der Betreiber eines Online-Branchenregisters muss nun darauf hinweisen, dass seine Aussendungen nur ein Vertragsangebot für  Datenveröffentlichung sind, welches der Beworbene erst durch Unterfertigung und Rücksendung annehmen soll (OGH 4 Ob 45/11p). In Entsprechung der Entscheidung ist der Betreiber des Branchenverzeichnis schuldig, es ab sofort im geschäftlichen Verkehr zu unterlassen,

  1. zu Zwecken des Wettbewerbs für Eintragungen in ein Verzeichnis, wie insbesondere in ein Online-Branchen-Register im Internet unter der Domain *********** oder ein sonstiges Branchenverzeichnis, mit Aussendungen, mit denen zur Eintragung und/oder Ergänzung von Daten aufgefordert wird, insbesondere mit Aussendungen wie Klagsdauerbeilage ./D oder dieser ähnlichen Aussendungen, deren man sich im Falle der Erteilung eines Auftrags zum Eintrag durch Unterschriftsleistung und Rücksendung bedienen soll, zu werben, ohne auf den Aussendungen entsprechend unmissverständlich und auch grafisch deutlich darauf hinzuweisen, dass es sich lediglich um ein Vertragsangebot für eine Datenveröffentlichung handelt, welches der Beworbene erst durch Unterfertigung und Rücksendung annehmen soll;
  2. Rechtspersonen gegenüber, welche aufgrund einer Handlungsweise, wie sie gemäß lit a) zu unterlassen ist, irrtümlich eine Aussendung vervollständigt und/oder unterschrieben zurückgesandt haben, auf Zahlungsansprüchen zu bestehen und/oder solche durchzusetzen;

Mehr zur Entscheidung auf Rechtsfreund.at. Wenn das keine gute Nachricht ist!

Nachtrag II: Branchenklick verklagte mich erfolglos

Da die Firma Branchenklick GmbH mit meiner Analyse auf dieser Seite nicht einverstanden ist, hat sie gegen mich Anklage beim Handelsgericht Wien erhoben und einen Antrag auf Verhängung einer einstweiligen Verfügung hinsichtlich der sofortigen Entfernung dieses Artikels gestellt. Das Verfahren wurde letztendlich bis in die zweite Instanz vollständig zu meinen Gunsten entschieden. Das Gericht hielt in seiner Begründung fest, dass im gegenständlichen Artikel keine „Ehrenbeleidigung“ erkannt werden kann, dass die von mir geübte Kritik (Stichwort „Bauernfängerei“) zulässig ist und auf wahren Tatsachen beruht. Ich wurde in der Sache durch Rechtsanwalt Dr. Johannes Öhlböck LL.M. ausgezeichnet vertreten.

Kommentare

  • Ist die Identität der Täter, ich meine Inhaber der Firma bekant?

  • Wir haben gestern in unsere Ordination in Feldkirchen/Kärnten ebenfalls ein solches „Angebot“ von BRANCHENKLICK bekommen und ich habe heute mit dieser Firma telefoniert, bei dem die Mitarbeiterin mir gesagt hat, ich könne sowohl die kostenlose Anzeige bekommen als die kostenpflichtig mit mehr Informationen später auf der veröffentlichenten regionalen Frimenverzeichnisseite. Habe die Homepage von der „Frima“ noch nicht konsultiert, aber bin heilfroh, dass ich vorher auf die Betrugsinformation gestoßen bin.
    Mit freundlichen Grüßen – Heike Huss-Helling

  • Hab per Post so ein Ergänzungs-u.Korrektur- Formular bekommen, ausgefüllt, unterschrieben zum zurückfaxen…und seh das Impressum und faxnr.aus Spanien (!) -und dann: HeroldS(!) Medienverlag -und gerade noch zurückgeschreckt.Ein paar Tage später bekomme ich einen Anruf von einem „Gelbe Seiten ..irgendwas“ auch zur „Ergänzung“ und hab ihn abgeschasselt…keine Ahnung ob zu Recht oder Unrecht. Jedenfalls sagte er dann er wird uns eine Rechnung für diese Jahr über ca.200.- schicken. Keine Ahnung wie das ausgehen wird. NB diese Tel. Abzockversuche, auch in anderen Bereichen (mindesten 4x die Woche) sind ein derartiges Ärgernis und eigentlich ein Fall von Geschäftsstörung und ich werde in Zukunft jeden mit Klage drohen -obs was nützt…?

  • Hab per Post so ein Ergänzungs-u.Korrektur- Formular bekommen, ausgefüllt, unterschrieben zum zurückfaxen…und seh das Impressum und faxnr.aus Spanien (!) -und dann: HerldS(!) Medienverlag -und gerade noch zurückgeschreckt.Ein paar Tage später bekomme ich einen Anruf von einem „Gelbe Seiten ..irgendwas“ auch zur „Ergänzung“ und hab ihn abgeschasselt…keine Ahnung ob zu Recht oder Unrecht. Jedenfalls sagte er dann er wird uns eine Rechnung für diese Jahr über ca.200.- schicken. Keine Ahnung wie das ausgehen wird. NB diese Tel. Abzockversuche, auch in anderen Bereichen (mindesten 4x die Woche) sind ein derartiges Ärgernis und eigentlich ein Fall von Geschäftsstörung und ich werde in Zukunft jeden mit Klage drohen -obs was nützt…?

  • auch uns hat es erwischt. Unser Anwalt schreibt gerade nette Briefe mit dem Unternehmen.

  • Jetzt hat es mich erwischt.
    Schon beim Unterschreiben hatte ich ein komisches Gefühl, aber ich hatte es eilig…und habe gedacht, das Schreiben sorgfältig gelesen zu haben.
    Es ist ein Trost, dass ich nicht die Einzige bin, die denen auf den Leim geht.
    Ich werde mich rechtlich Beraten lassen und hoffe auf die Sammelklage der Wirtschaftskammer…

  • Mittlerweile liegt die Entscheidung in zweiter Instanz vor.

    Das Gericht sah in den Aussagen ein „reines Werturteil“, da darin in unmissverständlicher Weise eine subjektive Überzeugung zum Ausdruck gebracht wurde und der Erkenntnisprozess, der dafür die Grundlage dargestellt hat.

    Das Gericht hielt fest:

    „Angesichts des öffentlichen Interesses an der Lauterkeit des Geschäftsverkehrs hat der Artikel des Beklagten die Grenzen zulässiger Kritik nicht überschritten.“

    Mehr auf
    http://www.raoe.at/news/single/archive/oberlandesgericht-wien-staerkt-blogger/

  • Ich habe mich im Jahr 2011 einschüchtern lassen durch Rechtsanwaltsbrief, und stehe nun vor einer neuerlichen Zahlungsaufforderung für 2012. Ich werde nicht zahlen und mich mit der Wirtschaftskammer in Verbindung setzen.

  • besagte firma sendet ihre formulare aus mit ausdrücklichem hinweis nicht in beziehung mit HEROLD BUSINESS DATA zu stehen!
    ansonsten der gleiche schmäh

  • So wie es aussieht, ist das Vertriebsmodell des Verlages nun für Österreich gestoppt. Nach den Aussagen im Kommentar könnte man möglicherweise auch schon geleistete Zahlungen zurückfordern.

  • ich hab von der firma branchenklick schon ein rechtsanwaltsschreiben bekommen sie werden mich verklagen.ich hab im oktobere 2010 in den glauben es handelt sich um ein herolds telefonbuch eintragsschreiben, da es eine gelbe aufmachung wie die post hat,meine daten berichtigt u zurückgeschickt.bin dann am nächsten tag auf eine 4 wöchige dienstreise.von dieser zeit bin ich in kontakt mit der wirtschaftskammer wegen diesem problem.doch letzendlich steht man alleine da und muss entscheiden ob man sich verklagen lässt oder nicht.

  • Heute auch so ein Schreiben gekriegt, davor schon zwei von anderen Firmen. Da muss man schon zu einer besonderen Kategorie Mensch gehören um so einen Schwindel aufzubauen und zu betreiben…. nämlich der Kategorie Abschaum!

  • Hallo Frau Peneff, vielen Dank für die Darstellung! Aus meiner Erfahrung klagen diese Unternehmen nie. Sie mahnen einige Male sehr scharf und dann kommt nichts mehr. Der Ausgang eines Gerichtsverfahrens ist für beide Seiten unsicher und der Aufwand lohnt sich in der Regel nicht. Aber ich empfehle auf jeden Fall einen Rechtsbeistand zu befragen da immer der Einzelfall beurteilt werden muss.

  • Wollte nur kurz veröffentlichen,
    dass wir tolle Hilfestellung von der Wirtschaftskammer bekommen haben.
    nach der letzten Mahnung von Branchenklick habe ich meinen
    Anwalt eingeschaltet,
    der mir aber vorsichtig empfohlen hat zu bezahlen,
    weil wir in einem Prozeß wahrscheinlich schlecht Karten hätten.
    Weil ich es aber nicht übers Herz brachte diesen [*** Wort gestrichen ***] das geld in den Rachen zu werfen,
    habe ich schlussendlich sie Wirtschaftskammer/Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb kontaktiert und
    mir wurde empfohlen NICHT zu zahlen!!
    Es liegen fast an die 100 Beschwerden gegen diese Firma auf,
    geklagt haben Sie bis jetzt noch niemanden.
    Falls es in unserem Fall zu einer Klage kommen würde,
    wird die Wirtschaftskammer eine Sammelklage gegen Branchenklick einreichen.

  • Genau, wenn etwas nicht klar verboten ist, sondern sich irgendwo in einer Grauzone befindet, kann man schwer dagegen vorgehen. Und wenn es – wie Spam-Mails – klar verboten ist, dann reicht oft ein Firmen- oder Serversitz im Ausland. In Österreich darf man nicht mal seinen eigenen Kunden ohne eindeutige Einwilligung einen Newsletter schicken und trotzdem quillt jedes Postfach über vor Spam. Unsere Regeln nützen scheinbar wirklich nur ein paar Anwälten, wenn sie abmahnen.

  • [Kommentar gelöscht]

  • Meine Gattin ist Mobilfriseurin in Oberösterreich Attnang-Puchheim und hat am 08.10.2010 ebenfalls ein Angebot erhalten mit dem Angebotsdatum 16.10.2010. Bitte kann man diese Firmen nicht aus dem Verkehr ziehen mit dieser Bauernfängerei.

  • In osttirol werden momentan von dieser firma „branchenklick“ auch briefe an etlichen firmen versandt.
    hier sind schon gerichtsurteile gegen diese firmen veröffentlicht worden

    http://www.verbraucherabzocke.info/6-Online/6-a-Hintergundmaterial/Mehr-info/100-200-HS-Firmen-Info/152-heller-mehr/172-branchenklick.htm

    Firmenbuchnummer FN 3511010t Landgericht Innsbruck
    warum erhalten solche firmen noch ein gewerbe???

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