40 Tage offline oder der Einfluss von Screendesign auf den Shopumsatz

Gleich vorweg: Dies ist keine religiöse Diskussion über Webbrowser oder Betriebssysteme. Da kann man ruhig der einen oder der anderen Meinung sein. Ich gehe in diesem Artikel ein paar Fragen nach, die sich in der Kundenberatung bei Online-Projekten immer wieder stellen:

  • Muss für Internet Explorer (IE) und Firefox (FF) optimiert werden?
  • Wie sieht es mit dem IE6 aus?
  • Kann man mobile Endgeräte ignorieren?

Selbstverständlich gibt es auf diese Fragen keine allgemein gültigen Antworten. Projektgegenstand und Zielgruppe können voneinander abweichende Lösungsansätze bedingen. Trotzdem gebe ich hier konkrete Antworten, die sich aus der Auswertung der Zugriffsstatistken mehrerer Webshops ergeben. Mich interessierte die Frage, wie sich die Shop-Umsätze auf UserInnen mit unterschiedlichen Clients verteilen. Nur in Online-Shops lässt sich die Wirkung (=Umsatz) eindeutig messen. Bloßes Zählen von Zugriffen wäre mMn zu wenig aussagekräftig.

Österreichische Online Shops

Als Basis für die Auswertung dienen kummulierte bzw. gemittelte Zugriffsstatistiken österreichischer Webshops mit mehr als EUR 100.000 Jahresumsatz. Inkludiert sind sowohl B2B, B2C also auch gemischt operierende Shops. Insgesamt repräsentieren sie etwa 1,5 Mio PIs, 300.000 Visits und 3 Mio Umsatz in den letzten 12 Monaten (31.8.2009-1.9.2010).

IE vs. FF

Browserwar par excellence! Insgesamt hat der Internet Explorer die Nase noch vorne. In manchen Shops ist aber der Firefox schon der meistbenutzte Browser. Vor allem in B2B-Shops überwiegt noch der IE. Und wie verhält sich der Umsatz? Die folgende Tabelle stellt Zugriffe und Umsätze gegenüber:

  Visits Umsatz
IE 50,2 % 49,1 %
FF 39,0 % 41,2 %
Rest   10,8 % 9,7 %

 

Die schlechte Nachricht für Websdesigner: An keinem der großen Browser führt ein Weg vorbei. Interressant ist bei der Analyse noch ein Detail, das die gemittelten Werte aus obiger Tabelle nicht verraten. In den B2C Shops liegt der IE mit knapp 43 % der Zugriffe schon knapp hinter dem FF und ist sogar nur für 33 % der Umsätze verantwortlich. B2B verhält es sich dafür komplett entgegengesetzt: Der IE macht dort mit 58 % der Zugriffe 64 % des Umsatzes.

40 Tage keinen Umsatz machen?

Na gut, aber auf den IE 6 verzichten wir aber schon, oder? Naja. Leider nicht. Über den IE 6 werden immer noch knapp 11 % des Umsatzes erzielt. Teilweise bis zu 15 %. Schon auf 11 % zu verzichten entspräche – salopp gesprochen – 40 Tage im Jahr den Shop offline zu nehmen. Für spezielle Service Level Agreements bräuchte man dann kein Geld mehr auszugeben… Zumindest funktionieren muss derzeit also noch jeder Shop im IE 6. Selbst wenn ihn Facebook & Co (grundsätzlich zu recht) nicht mehr supporten.

Einkauf über Mobile Endgeräte

Zumindest bei den hier untersuchten Shops lag der Umsatz über iPhone, Android-Handy & Co noch bei geringen 0,1%. Wobei der Umsatz im B2B-Bereich absolut nicht vorhanden ist, in B2C-Shops immerhin 0,25 % erreicht. Man darf gespannt sein, wie sich diese Zahlen in Zukunft entwickeln. Möglicherweise wären die Zahlen schon jetzt höher, wenn die Shops für Mobiles optimiert wären.

Einschränkungen dieser Analyse

Hier wird der Online-Umsatz als alleinige Kenngröße herangezogen. Dabei könnte übersehen werden, dass die Website von UserInnen auf unterschiedlichen Stufen des Kaufprozesses besucht wird. Vielleicht werden Mobiltelefone eher zur Vorinformation verwendet und der Kaufvorgang erfolgt dann zu Hause oder im Büro. Solche Effekte könnten bei dieser Betrachtung durch den Rost fallen. 

Und natürlich ist diese Austellung nicht repräsentativ. Sie umfasst eher größere Online-Shops und von denen sicher nicht genug um allgemein gültig zu sein.

Lassen sich die Ergebnisse verallgemeinern?

Diese Frage kann ich nicht seriös beantworten. Zumindest für österreichische Online-Shops hat die Auswertung auf jeden Fall Relevanz. Vermutlich lässt sie auch auf die Wirkung bei Unternehmenswebsites schließen. Bei speziellen Websites für sehr homogene Zielgruppen oder mit Ausrichtung auf bestimmte Kommunikationskanäle würden mich gänzlich andere Ergebnisse nicht verwundern.

Entgegnungen? Meinungen? Anmerkungen? Bitte posten 🙂

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